How To – Marokko

Verhandeln
Fortbewegung
Essen
Spartipps
Sicherheit

Verhandeln

Unabdingbar in Marokko und für Menschen aus dem europäischen Kulturkreis oft ungewohnt und nervenaufreibend ist das Verhandeln. Die Menschen in Marokko lieben das Verhandeln, es steckt tief im Alltag und ist integraler Bestandteil der Kultur. Ohne Verhandeln wirst du um einige Euro ärmer nach Hause kommen und Marokko nicht richtig erlebt haben. Hier sind unsere Tipps dazu:

  • Im Zweifel lieber verhandeln! Den erstgenannten Preis bezahlen nur Touristen. Der Betreiber einer Unterkunft hat uns sogar erzählt, dass die Leute den Preis des Hotels vorab erfolgreich verhandeln. Niemand wird böse sein, wenn man nach einem günstigeren Preis fragt. Es gibt kaum etwas, das nicht verhandelbar ist. Ausnahmen: Fest ausgeschriebene Preise lassen sich eher nicht verhandeln, und das Essen im Restaurant beziehungsweise Lebensmittel auf dem Markt lassen sich unserer Erfahrung nach ebenfalls nicht verhandeln.
  • Kenne den Preis! Unser bestes Verhandlungsargument war grundsätzlich „in einem anderen Shop habe ich nur XY bezahlt“ oder „die Fahrt hierher hat nur XY gekostet“. Das muss natürlich stimmen oder zumindest plausibel sein, aber so nähert man sich am ehesten dem Zielpreis. Also: Preise merken, vertraute Leute nach realistischen Preisen fragen, das Internet befragen und (wenn vorhanden) Preisschilder lesen.
  • Kenne den Preis! Nochmal? Ja, aber anders.
    Niemals sollte man in ein Taxi steigen, eine Dienstleistung annehmen oder ggf. im Restaurant etwas bestellen ohne vorab den Preis irgendwo gelesen oder erfragt zu haben. Das öffnet Tür und Tor für einen Wunschpreis des Verkäufers.
  • Achtung vor Touristengegenden! Wann immer wir uns stark über den Tisch gezogen gefühlt haben, war das im Rahmen großer Touristischer Aktivitäten oder sehr touristischer Orte. Hier sollte man besonders auf die o.g. Punkte und auf den Preis achten.
  • Spezialfall Taxi. Beim Taxi hatten wir das größte Verhandlungspotenzial – und das höchste Risiko, abgezockt zu werden. Niemals ist der erstgenannte “Freundschaftspreis” wirklich fair.
    • Bestehe darauf, dass das Taximeter eingeschaltet wird. Fast alle Taxis in Marokko verfügen über eines, doch es wird selten benutzt. Preise nach Taximeter sind unschlagbar günstig. Weigert sich der Fahrer, hartnäckig bleiben, nach dem Grund fragen und sich den Taxipreis anzeigen lassen.
    • Schon wieder: Kenne den Preis! Hier hilft wieder das Taxameter. In vielen Städten gibt es Standardpreise pro km. Ein Beispiel: Willst du 5km durch die Stadt fahren und weißt, dass es 3DH Grundgebühr + 4Dh/km kostet, kannst du einen Preis von 23dh als Verhandlungsanker nehmen. Wenn der Taxifahrer dann nach 100DH fragt, weißt du, dass du ganz klar abgezockt wirst. Versuche den Preis so gut wie möglich Richtung 23DH zu drücken. Einigt ihr euch auf 35DH hast du Prima verhandelt und der Taxifahrer freut sich auch über ein kleines Extra 🙂
    • Grand Taxis: Bei Grand Taxis existieren üblicherweise feste Streckenpreise. Hier konnten wir auch keinen Unterschied zwischen Touristen und Einheimischen erkennen.
    • Gehe ein kleines Stück zu Fuß: Wenn du aus einer Attraktion kommst oder aus dem Bahnhof oder Flughafen kommst, werden dich die Taxifahrer mit Ihren unschlagbaren Angeboten umgarnen. Unser Tipp: Gehe ein paar Meter weiter, halte ein Taxi an, wenn es vorbeifährt – oft ist der Preis dann schon deutlich geringer.
  • Bringe dich in eine gute Verhandlungsposition. Wenn du abseits wartest, das erste Taxi nach vielen Minuten zu dir winkst und dringend irgendwohin musst, akzeptierst du eher einen höheren Preis, als wenn du alle Zeit der Welt hast, zu Fuß gehen könntest und Taxen im Minutentakt an dir vorbeifahren. Das wissen auch die Fahrer, und dementsprechend fällt ihr Angebot höher aus. Dasselbe Prinzip beim Einkauf in der Medina: Wenn es 8 Lederwarengeschäfte nebeneinander gibt und alle dasselbe verkaufen, kannst du beruhigt beim niedrigsten Angebot aus dem Laden gehen und es beim nächsten Händler wieder probieren – eventuell läuft dir der Händler hinterher und macht dir ein finales Angebot für seinen neuen besten Freund 😉
  • Bleibe hart, aber fair. Beim Verhandeln in Marokko kann es ruppig zur Sache gehen – oder dein Gegenüber versucht dich im Gegenteil charmant zu umgarnen, damit du lächelnd auf sein (schlechtes) Angebot eingehst. Bleibe hartnäckig bei deinem Zielpreis und wiederhole deine Argumente. Du wirst merken, wenn dein Gegenüber keine Lust mehr hat, nachzugeben. In diesem Fall kannst du überlegen, ob du den Preis akzeptieren willst oder nicht. Denke dabei aber immer daran: Die verhandelten 1,50 € sind für dich wesentlich weniger relevant als für den Durchschnittsbürger in Marokko. Bleibe im Rahmen, übertreibe nicht und sei ehrlich (aber nicht naiv). Am Ende sollte man mit einem Lächeln und Handschlag auseinandergehen.
  • Verhandlungsargumente / Sätze:
    • In Marrakech/Fes/Essaouira habe ich dafür nur XY bezahlt
    • Gib mir den richtigen Preis, nicht den Touristenpreis
    • Wenn ich dein Freund bin, warum bekomme ich dann keinen guten Preis?

Fortbewegung

Taxi
Taxifahren in Marokko macht großen Spaß, sobald man sich an die Preisgestaltung gewöhnt hat – hierzu unbedingt die Verhandlungstipps beachten. Anschnallen wird nicht gerne gesehen; man wird immer darauf hingewiesen, dass das Taxi ja nicht so schnell unterwegs ist oder dass es nicht nötig wäre. 🙂

Petit Taxis sind die ganz normalen kleinen Taxis (Standard-PKW). Sie werden wie bei uns herangewunken oder angesprochen. Im normalfall haben Petit Taxis eigentlich alle ein Taximeter, das aber nur selten eingeschaltet wird. Es gibt für diese Taximeter festgelegte Tarife in der Stadt; am besten googeln bzw. Reiseführer konsultieren. Üblicherweise sind die Taxis in jeder Stadt in derselben Farbe lackiert. Gefälschte Taxis sind uns nicht untergekommen, wenn man von einer Person auf ein Taxi angesprochen wurde, war das in unserem Fall immer ein richtiges, offizielles Taxi.

Grand Taxis sind Großraumtaxis (häufig Dacia Logan), die erst losfahren, wenn sie voll besetzt sind. Sie fahren längere Strecken zwischen Städten mit festen Abfahrts- und Zielbahnhöfen, der Fahrer lässt dich auch gerne unterwegs (entlang der Strecke) zu- oder aussteigen. Grand Taxis haben normalerweise einen fixen Tarif für das gesamte Taxi, theoretisch kann man es auch für sich alleine buchen. Hierzu muss man alle sechs Plätze bezahlen und kann dann sofort losfahren. Ansonsten kann die Wartezeit zwischen vor der Abfahrt auch mal 1–2 Stunden dauern, wenn nicht viel los ist, oder es kann sofort losgehen, wenn man die letzten Plätze bucht.

Bus
Es gibt in Marokko zwei große Busgesellschaften: CTM und Supratours. Supratours ist ein Anbieter der marokkanischen Bahn und deckt jene Regionen ab, die nicht per Zug erreichbar sind. CTM ist ein alternativer Anbieter, der sehr weit verbreitet ist. Beide bieten komfortable Busse mit festen Abfahrtszeiten, die in der Regel auch eingehalten werden, und sind eine günstige, beliebte Reisemöglichkeit, die rege von Einheimischen genutzt wird. Tickets können (und sollten) online gebucht werden. Bei CTM (möglicherweise auch bei Supratours) muss das Gepäck separat am Schalter angemeldet und ein Ticket dafür gekauft werden.

Lokale Busunternehmen gibt es zahlreich – es war uns aber kaum möglich, online verlässliche Fahrplaninfos zu finden. Die Tickets sind deutlich günstiger als bei CTM oder Supratours, der Komfort jedoch je nach Anbieter deutlich niedriger. Insgesamt sind diese Reisen schwieriger zu planen und weniger transparent. Im Gegenzug trifft man kaum andere Touristen, hat geringere Kosten und möglicherweise mehr Spaß. 😉

Zug
Der Zuganbieter ONCF bietet sowohl Highspeed- als auch Standardverbindungen an. Wer in den Hochgeschwindigkeitszug einsteigt, erlebt ein Déjà-vu: Die Züge gleichen denen der französischen SNCF. Reisen mit diesen Zügen ist schnell, komfortabel und für marokkanische Verhältnisse teuer. Standardverbindungen (Regionalzüge) verkehren in die Jahre gekommenen Zügen, die in unserer Reisezeit immer pünktlich waren, sehr günstig und oft überfüllt. Häufig gibt es 6er-Abteile – die freundlichen Menschen in Marokko helfen gerne beim Zurechtfinden, was nicht immer einfach ist. Die erste Klasse unterscheidet sich kaum von der zweiten, kostet jedoch nicht deutlich mehr und lohnt sich unserer Erfahrung nach nicht.

Flugzeug
Hierzu kann ich leider nichts sagen, da wir über Land angereist sind.

Fähre
Von Spanien aus gibt es diverse Fährverbindungen nach Marokko. Wir haben für Hin- und Rückweg die Verbindung Algeciras (ES) – Tanger Med genutzt; die Überfahrt dauert nur eine Stunde. Es gibt auch Fähren ab Barcelona, wodurch man sich den längeren Landweg in Spanien sparen kann. Man sollte die Anschlüsse an die Fährverbindungen nicht zu knapp planen – unsere Fähren hatten deutliche Verspätungen. Vorausbuchung kann sich lohnen, da manche Verbindungen schnell ausgebucht sind. Wir haben unsere Tickets jedoch immer vor Ort gekauft.

Essen

Das marokkanische Essen ist sehr lecker, sehr günstig – aber leider nicht sehr Abwechslungsreich.
Die Speisekarten wiederholen sich häufig: Im Prinzip gibt es Tajine in allerlei Varianten, Couscous, Fischgerichte und die eine oder andere regionale Spezialität.

Streetfood gibt es zum Glück in allerlei Variationen, sehr günstig und sehr lecker. Oft nicht unbedingt gesund und man muss eine gewisse Toleranz bei den Hygienebedingungen mitbringen 😉

Restaurants gibt es in großen Städten und auch in kleineren Orten zu Hauf. Wie sonst auch überall variieren Preise und Qualität, es lohnt sich also zu vergleichen.

Spartipps

Beim Essen

  • Sich trauen nicht in die Touristen Restaurants, sondern zu den Einheimischen zu gehen. Sobald man sich daran gewöhnt hat, dass man der einzige Ausländer ist und nicht alles wie bei uns zuhause aussieht, wird man mit freundlichem Service, oft besserem Essen und vor allem wesentlich günstigeren Preisen belohnt. Eine marokkanische Suppe, dann eine Tajine, dazu ein frisch gepresster Orangensaft und danach einen Tee: Macht zusammen ca. 80DH, also weniger als 8€ 🙂
  • Streetfood ist schnell, oft verfügbar und zum Teil extrem günstig. Ein Sandwich mit Ei gibt es z.B. für 12DH (rund 1€), in Marrakesch haben wir Sandwichs “mixte” probiert (verschiedenes Fleisch und Gemüse) für 25Dh, die Portion ist vergleichbar mit einem Döner.
  • Selbst zu kochen hat für uns wenig Sinn und auch wenig Spaß gemacht. Wir haben es das eine oder andere mal versucht. Meist sind Küchen in den Unterkünften nicht ausreichend ausgestattet und im Verhältnis zum Essen im Restaurant ist der Einkauf im Supermarkt recht teuer und auf dem Markt erhält man eventuell nicht alles, was benötigt wird.


Bei der Fortbewegung
Hier lohnt sich (wie eigentlich immer) zu vergleichen. Je nach Strecke ist Zug (Regionalbahnen), Bus oder Grand Taxi die günstigere Alternative. Für kurze Strecken unter 30min ist fast immer das (Grand) Taxi die beste Wahl. Siehe hierzu die Tipps zum Taxi

Sicherheit

Insgesamt haben wir Marokko als sehr sicheres Reiseland empfunden. Trotzdem blieb aufgrund der fremden Umgebung, Sprache und den ungewohnten Abläufen doch ein gewisser Respekt erhalten, was sicherlich so auch gut ist. Das sollte einen aber nie davon abhalten, die Gegend zu genießen und freundlich zu den Einheimischen zu sein. Das größte Risiko ist unserer Einschätzung nach, eine kleine Summe zu viel bzw. unnötig zu bezahlen.

  • Sogenannte “Faux Guides” gibt es in Marokko zu Hauf. Die “falschen Guides” bringen einen ungefragt von A nach B, wobei B häufig nicht der gewünschte Zielort ist, und verlangen dann ein Trinkgeld. Wir haben unsere Erfahrungen damit gemacht, hier ein paar Tipps um möglichst davon zu kommen:
    • Gebe dich möglichst wenig als Tourist aus: Nicht in der Medina verzweifelt auf dein Handy schauen, weil du GPS hast
    • Insgesamt einen möglichst sicheren Eindruck machen, auch wenn man keine Ahnung hat, wohin man sich gerade bewegt (leichter gesagt, als getan..)
    • Wenn man angesprochen wird und keine Hilfe benötigt, strickt, aber freundlich “no, thanks” oder “läh shukran” (ausgesprochen) sagen und weiter gehen
    • Fällt man doch mal ungewollt auf einen Faux Guide herein, ist das nicht das Ende der Welt. Eventuell war das ja tatsächlich die Hilfe, die man benötigt hat. Gebt ein Trinkgeld, bedankt euch und geht weiter. Eventuell verlangt der Guide mehr, lehnt freundlich ab und geht weiter. Seid ihr ungewollt in einen Shop geraten und habt sicher vor nichts zu kaufen, sagt das direkt am Anfang und verlasst den Shop sofort. Bleibt hartnäckig.
    • Lasst euch nicht die Laune verderben, wenn so etwas mal passiert. Ihr seid nicht die ersten, nicht umsonst warnt jeder Reiseführer davor 🙂
  • Hereingerufene “Tipps”, in welche Richtung man gehen sollte bzw. dass etwas geschlossen ist, die Straße gesperrt oder der Markt/die Medina geschlossen sind, können zu 90% ignoriert werden! Das ist uns sehr häufig passiert. In manchen Fällen handelt es sich um den Versuch euch zu “guiden” (siehe oben) in manchen anderen wird man bewusst fehlgeleitet. Warum das so ist, haben wir noch nicht herausgefunden, möglicherweise macht es den locals einfach Spaß, die touristen in die falsche Richtung zu schicken.
  • Je touristischer es wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit über den Tisch gezogen zu werden
  • In manchen Regionen (in unserem Fall Chefchaouen und Asilah) wird dir angeboten Drogen zu kaufen. Die Dealer waren aber nie aufdringlich, ein klares nein hat immer ausgereicht
  • Vor der sogenannte Travelers’ diarrhea (Wikipedia) wurden wir in Marokko glücklicherweise verschont. Nach unserer Recherche soll das Trinkwasser in den Städten in Marokko sicher sein, in der ländlichen Gegend eher nicht. Wir sind meist auf Nummer sicher gegangen und haben ausschließlich Wasser aus Flaschen getrunken, Zähneputzen und Duschen waren kein Problem. Rohes Obst und Gemüse haben wir auch mit Wasser aus Flaschen oder abgekochtem Leitungswasser gewaschen, in Restaurants aber auch öfters gegessen. Auch wenn es auf dem Markt oder beim Streetfood manchmal etwas anders wie bei uns zugeht, war die Lebensmittelhygiene bei uns nie ein Problem. Entspannt bleiben lohnt sich vermutlich auch hier 🙂

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