Workaway in Portugal

Auf unserer Reise wollen wir nicht „nur“ Touristen sein, sondern auch etwas tiefer ins Land und das Leben der Leute eintauchen. Deshalb ist der Plan, nach Möglichkeit ein Workaway zu machen. Das Konzept beinhaltet, dass man für Arbeit (max. 5 Std. am Tag / 5 Tage die Woche) Kost und Logis bekommt. Außerdem hat man die Möglichkeit, sich mit seinen Gastgebern und anderen Workawayern auszutauschen. Unser erstes Workaway machen wir in Portugal, nahe Aljezur, bei Alexandra und Tim, einem deutsch-australischen Paar. Sie wohnen hier in einem restaurierten portugiesischen Lehmhaus auf ca. 4 ha Land. Andere Gebäude auf dem Grundstück haben sie zu Gästeappartements umgebaut. Wir wohnen im ehemaligen Stall. Es hängen hier und da Bilder an der Wand, die das „Vorher“ zeigen, und man erkennt gleich, wie viel Arbeit hier drinsteckt. Am ersten Abend gibt es gleich ein leckeres Essen von Hobby-Chefkoch Tim.

Die nächsten Tage arbeiten wir abwechselnd mal im Garten, mal auf dem Segelboot im Hafen von Lagos an der Südküste Portugals. Das Segelboot soll bald verkauft werden, und wir helfen, es für diesen Zweck herauszuputzen. Nach Feierabend springen wir manchmal noch ins kühle Nass am nahegelegenen Stadtstrand – daran kann man sich gewöhnen. Im Garten schneiden wir die Hecke, reißen Unkraut raus und nehmen den Kampf gegen die Monster-Brombeersträucher auf uns. Ansonsten genießen wir das durchgehend schöne Wetter und unternehmen Strandausflüge und Spaziergänge. Die Strände an der Westküste der Algarve sind einfach wunderschön. Oft zeigt uns Alexandra die Gegend und erzählt Geschichten darüber, was sich alles im Laufe der Zeit verändert hat. Zu den Mahlzeiten kommen alle zusammen, und man lässt sich Zeit zum Essen und Genießen. Die beiden haben ein schier unendliches Repertoire an Geschichten, und es wird nie langweilig. Wir erfahren ein wenig von ihrem Leben in Australien, Deutschland, England und Portugal – und dass sie den Winter gerne in Deutschland verbringen. Am Abend wird immer das Onlinespiel Globle gespielt. Es geht darum, anhand von Entfernung und Himmelsrichtung Länder zu erraten. Jeden Tag ein neues Land. Eine gute Übung für uns Anfänger-Globetrotter.

Wir schaffen es leider nicht, das Boot fertig zu streichen, dennoch machen wir den versprochenen Segeltörn zum Abschluss. Es ist nicht besonders windig, sodass wir nur langsam vorwärtskommen. Ich schaffe es gerade noch, ein paar Happen vom Mittagessen zu essen, und werde gleich seekrank. Die Atlantiküberquerung mit einem Segelboot kann ich also direkt von meiner Liste streichen. Ich bin sehr erleichtert, dass wir bald den Rückweg ansteuern. Wieder wird es hektisch auf dem Boot – das Segel muss ausgerichtet und Seile gespannt werden. Der Kurswechsel klappt, obwohl wir Tim keine besonders große Hilfe sind. Auf dem Rückweg segeln wir näher an den vielen zerklüfteten Strandbuchten von Lagos vorbei – und dann endlich in die Marina. Ich habe große Lust, den festen Boden unter meinen Füßen zu küssen.

Bevor wir zum Familienurlaub nahe Bordeaux aufbrechen, haben wir noch ein paar Tage Zeit und wollen es uns nicht nehmen lassen, an einem der beliebtesten Surfspots zu surfen. Wir buchen Surfstunden im Surfcamp, wo wir auch ein paar Tage verbringen. Der Strand von Arrifana ist malerisch, umrandet von steilen Klippen, und vor 9 Uhr morgens sowie am späten Abend kann man ihn fast für sich alleine haben. Hier ist das Surfen anspruchsvoller als in Essaouira – die Wellen sind wilder, der Untergrund uneben. Die Tage vergehen blitzschnell, und schon ist unser vorletzter Abend nach 2,5 Wochen Portugal angebrochen. Wir verabreden uns mit Alexandra und Tim zum Essen im Cera – ein unglaublich gutes Restaurant, das wir bei unserem Portugal-Roadtrip 2023 zufällig entdeckt haben. Es schmeckt immer noch so gut wie damals – schööön!

Am Abreisetag müssen wir vor 7 Uhr morgens am Bahnhof in Lagos sein, deshalb übernachten wir gleich dort und verbringen den Nachmittag in Lagos. Die Innenstadt ist klein, aber schön – mit vielen Cafés und kleinen Läden. Heute veranstaltet das portugiesische Militär so etwas wie einen Tag der offenen Tür: Man kann Fahrzeuge, Flugzeuge, Helikopter und Boote des Militärs besichtigen, eine Militärtrainingseinheit absolvieren, klettern und eine Runde Speedboot fahren. Wir unterschreiben schnell den Haftungsausschluss und stellen uns beim Speedboot an. Wir sind überrascht, dass man das als Tourist auch machen kann, und finden die kleine Spritztour ziemlich cool.

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