How To – Norwegen

Janteloven
Fortbewegung
Essen
Spartipps
Sicherheit

Janteloven

Wer sich länger als ein paar Tage und etwas außerhalb von großen Städten in Norwegen aufhält, kann schnell ein Gefühl für das ungeschriebene, gesellschaftliche, skandinavische Gesetz “Janteloven” entwickeln. Ursprünglich dem Roman “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” des dänisch-norwegischen Schriftstellers Aksel Sandemose entsprungen – und somit genaugenommen doch nicht ungeschrieben – kann es heutzutage als ein Verhaltensgrundgerüst in den skandinavischen Ländern verstanden werden. Es kann weiterhin als Aufforderung verstanden werden, die Gemeinschaft über das Individuum zu stellen und als Aufruf, sich bescheiden zu verhalten. Wie uns ein eingewanderter Norweger mal erklärt hat, “the bigger the salary, the smaller the car” – das können wir zugegebenermaßen nicht nachprüfen. Was die Autos angeht, kann ich aber bestätigen, dass man kaum kleine, alte Autos auf den Straßen findet; ich kann mich aber in drei Monaten nicht daran erinnern, einen Ferrari oder Lamborghini gesehen zu haben. Angeben ist nicht angesagt.


Warum stelle ich das zu Anfang an einen “How To” Artikel? Nun, es soll ein bisschen klarstellen, wie die Norweger ticken. Wir haben die Menschen hier als sehr bodenständig, ruhig und entspannt erlebt. Es kommt nicht gut, an der Kasse Stress zu machen, und wenn eine ältere Dame beim Aussteigen aus dem Bus noch einen kurzen Plausch mit dem Busfahrer halten will, plauscht dieser höflich mit, und keiner der Fahrgäste käme auf die Idee, sich darüber zu beschweren. Das Land ist somit aus Sicht Reisender äußerst sicher, entspannt und gut planbar zu bereisen. Allerdings ist es durch die zurückhaltende Art der Norweger auch nicht leicht, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Zu den Kosten kommen wir weiter unten noch 😉

Fortbewegung

Taxi
Über Taxis muss ich hier nicht so viele Worte verlieren, wie im Beitrag über Marokko – aufgrund der hohen Personalkosten ist Taxifahren in Norwegen sehr teuer und trotz staatlich festgelegter Höchsttarife somit maximal eine Notlösung. Wir waren glücklicherweise nicht darauf angewiesen.

Bus
Nahverkehr: Zugegebenermaßen sind die Busse in Norwegen auch nicht geschenkt. Im Nahverkehr sind sie aber sicherlich die sinnvollste und oft einzige Möglichkeit, um von A nach B zu kommen, wenn man ohne Auto unterwegs ist. Das norwegische Nahverkehrsnetz ist unterteilt in unterschiedliche Regionen mit jeweils eigenen Anbietern. Alle Anbieter haben eine eigene App, die bei uns zuverlässig funktioniert hat und für Fahrplanauskunft und Ticketkauf verwendet werden sollte (Alternative siehe unten). Tickets im Bus direkt zu kaufen ist meist teurer. Die Busse sind normalerweise modern und komfortabel, aufgrund der oben erwähnten Entspanntheit der Busfahrer aber nicht immer ganz pünktlich.
Fernverkehr: Da das Zugnetz nicht ganz Norwegen abdeckt, muss besonders im Norden und entlang der Küste auch für größere Distanzen auf den Bus ausgewichen werden. Hier gibt es verschiedene regionale Anbieter, die allesamt sehr komfortable Fahrten anbieten. Eine längere Fahrt mit dem Bus kann aufgrund der Aussicht – gerade entlang der Fjorde – durchaus Spaß machen. Wir haben mit allen regionalen Bussen gute Erfahrungen gemacht, von unserem lieben Flixbus würden wir in Norwegen abraten.

Zug
Zugfahren in Norwegen kann ein großes Vergnügen sein, immerhin gibt es etliche Strecken, die von einschlägigen Websites als einige der schönsten der Welt genannt werden. Neben der norwegischen Bahn (Vy) gibt es auch noch den schwedischen Anbieter (SJ). Die Preise auf der Langstrecke können mit dem Preis einer Busfahrt auf der selben Strecke durchaus konkurrenzfähig sein, dafür sollte der Zug aber frühzeitig gebucht werden. Der Komfort ist mit dem in einem ICE vergleichbar. Auch wenn die Abfahrt stellenweise verspätet war, scheint die norwegische Bahn konservativer als die DB zu planen – die späte Abfahrt war meist nach einigen Stationen wieder eingeholt. Für den Weg vom Süden in den Norden haben wir den Nachtzug über Schweden gewählt und sind dabei in Narvik angekommen, dem nördlichsten Punkt, den man auf der Schiene erreichen kann. Der Komfort einer Übernachtung im Liegewagen entspricht ungefähr dem, einer Übernachtung im Sechs-Personen-Dorm eines mittelmäßigen Hostels.


Tipp: Seid ihr in Norwegen mit dem ÖPNV (Bus, Zug oder Fähre) unterwegs, dann recherchiert eure Verbindungen und kauft eure Tickets über ENTUR. Die kostenlose App (auch als Website nutzbar) fasst alle Verbindungen in Norwegen zusammen und erspart somit das lästige downloaden von verschiedenen Apps für die unterschiedlichen regionalen Anbieter. Wir haben nur gute Erfahrungen mit Entur gemacht, es gab keine falsch angegebenen Verbindungen, Probleme beim Ticketkauf oder sonstige Schwierigkeiten.

Flugzeug
Wir sind ganz ohne Flugzeug ausgekommen. Wer aber weniger Zeit hat und dabei vielleicht noch weit in den Norden will, der wird aufgrund der unglaublichen Nord-Süd-Ausdehnung des Landes womöglich auf das Flugzeug zurückgreifen müssen.

Mietwagen
Gerade in abgelegenen, ländlichen Bereichen sowie auf den Inseln ist es äußerst mühsam, mit dem ÖPNV vorwärts zu kommen. Liegen doch die interessantesten Punkte oft ab vom Schuss, macht es durchaus Sinn, sich hin und wieder (oder die ganze Zeit) einen Mietwagen zu nehmen. Es gibt verschiedene lokale Anbieter, die ein etwas anderes Geschäftsmodell praktizieren, als man das von den großen Vermietern kennt: Man bekommt ein älteres, oft auch schon recht verkratztes und nicht perfekt gereinigtes Auto – dafür zu einem vertretbaren Preis. So konnten wir zum Beispiel auf den Lofoten mitten in der Hochsaison kurzfristig ein Auto für rund 80 € leihen – klingt nicht günstig, aufgrund der beschriebenen Situation und im Vergleich zu den anderen Optionen vor Ort, war es das aber durchaus. Willkommen in Norwegen 😉
Unser Anbieter hier war Rent a Car Lofoten, in mehrere Städten vertreten ist zum Beispiel Rent a wreck.

Fähren und Boote
Würde man norwegengs zerklüftete Küste entlang wandern und dabei die Kontur jedes Fjordes und jeder Küste ablaufen, wäre man – die Angaben variieren – rund 29.000km unterwegs. Außerdem würde man ungern zu den – auch hier schwanken die Angaben – knapp 240.000 Inseln schwimmen. Deshalb ist es keine Überraschung, dass es in Norwegen jede Menge Fährverbindungen, Expressboote und mit den Hurtigruten auch Langstreckenverbindungen gibt. Mit der Option “Hafen zu Hafen” der Hurtigruten Anbieter können auch Teilstrecken zurückgelegt werden. Diese Option kann auf manchen Streckenabschnitten durchaus Sinn und auch Spaß machen. Der gesamte Linienverkehr kann wie oben erwähnt mit Entur geplant und teilweise auch gebucht werden. Es kann dabei vorkommen, dass man auch bei einer Busfahrt auf einer Fähre landet, da Busse diese nutzen, um die Strecke abzukürzen.

Essen

Eines der Dinge, die uns in Norwegen am meisten überrascht haben, ist die Essenskultur. Es gibt zum einen eine traditionelle, norwegische Küche. Wenig überraschend ist Fisch eine der Hauptzutaten. Als größter Produzent der Welt darf natürlich auch Lachs nicht auf dem Speiseplan fehlen – auch wenn dieser nicht immer unter guten Bedingungen produziert wird. Auch Fleisch wird viel gegessen, Lamm und Rind sind besonders beliebt. Zum anderen erhielten wir aber den Eindruck, dass die Norweger es mit dem Essen halten wie mit vielen anderen Dingen auch: sehr pragmatisch. Das geheime Nationalgericht der Norweger ist nämlich die Pizza, was sich auch bei den Restaurants zeigt. Klar, Pizza ist international und eigentlich überall erhältlich, aber in Norwegen war die Dichte von Pizzerien, oft in Form von großen Restaurant-Ketten, schon sehr hoch. Zum Erfolg hat wohl auch ein gutes Marketing der Lieblings TK-Pizza Grandiosa in den 80er Jahren beigetragen.

Weitere “Spezialitäten” , die uns aus den Supermarktbesuchen hängen geblieben sind:
Kaviar und verschiedene Fischzubereitungen aus der Tube, Möllertran (der norwegische Marken-Lebertran), Marmelade aus Moltebeeren und Gudbrandsdalsost (brauner Käse mit Karamellnote, der besonders den Norwegern selbst am besten schmeckt). Diese Sachen sind uns auch regelmäßg bei Hotelfrühstücken begegnet.
Die Abdeckung mit Restaurants ist vergleichbar wie in Deutschland, beim Fastfood ist neben den üblichen Verdächtigen noch der eine oder andere lokale Vertreter vorhanden.
Besondere Erwähunng verdient der Kaffee. Die online Recherche bestätigt unseren subjektiven Eindruck: Norwegen ist nach Finnland das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum. Gut für die Vieltrinker, dass häufig (mindestens) die erste Tasse gratis nachgefüllt werden kann. Es gibt diverse heimische Kaffeeketten und im Verhältnis zu den sonstigen Gastronomiepreisen ist der Kaffee überraschend günstig.

Spartipps

Als Land mit einem der höchsten Einkommen weltweit, dem norwegischen Ölfonds und einem stabilen sozialen Absicherungssystem im Rücken können die Norweger – auch beim Thema Geld – entspannt sein. Während die Einheimischen beim Blick auf die Speisekarte oder den Kassenbeleg eher nicht ins Schwitzen kommen, macht das Geld ausgeben in Norwegen als Tourist eher weniger Spaß. Deshalb haben wir hier einige unserer Ideen aufgeschrieben, wie man trotzdem ohne größere Sorgen um seinen Sparstrumpf durchs Land kommt.

Essen, Trinken & Lebensmittel

  • Der absolute Basic-Tipp: Selber kochen. Man braucht nicht drumherum zu reden, essen gehen ist in Norwegen super teuer. Wenn, wie bei uns, noch das Thema eingeschränkte Ernährungsweise hinzukommt, macht das Kochen doppelt Sinn
  • Es gibt verschiedene Supermarktketten in Norwegen. Viele bieten ein ähnliches, eher kompaktes Sortiment an. Im Vergleich zu größeren Edekas oder Rewes in Deutschland kommt einem das Sortiment oft sehr spartanisch vor. Besonders die Milchprodukte scheinen in jedem Supermarkt ausschließlich von einer dominierenden Marke angeboten zu werden und fast immer aus denselben Produkten zu bestehen. Dafür sind diese Supermärkte aber wesentlich günstiger. Zeitungen in Norwegen vergleichen jährlich die Preise, und die Märkte von Rema1000 und KIWI sollen im Schnitt 10 %-15 % günstiger sein als die Konkurrenz
  • Wenn du noch weitergehen willst, kannst du bei den unterschiedlichen Supermärkten auf Mattilbud.no oder der zugehörigen App nach aktuellen Angeboten Ausschau halten. Häufig sind aber dieselben Produkte in den verschiedenen Supermärkten gleichzeitig im Angebot
  • In vielen norwegischen Städten ist die App Too Good To Go aktiv. Hier kann man zum Beispiel bei Hotels ein Paket vom Frühstücksbuffet oder beim Asiaten nicht verkaufte Abendessen zu einem sehr günstigen Preis ergattern und dabei noch etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun. Bei uns hat das leider nie geklappt, ich habe die App aber mehrmals gecheckt und nach meinem Eindruck kann sich das durchaus lohnen
  • Ich habe in einem Reiseführer gelesen, dass man in Norwegen fast umsonst mit Zelten zurechtkommt und einfach Pilze und Beeren sammeln kann. Zugegeben: Ich dachte zuerst, dass der Autor da wohl etwas zu viel Höhenluft geschnuppert hat. Durch unser neues Hobby, Pilze und Beeren zu sammeln, konnten wir beim Frühstück aber trotzdem die eine oder andere Krone sparen 🙂
  • Die Sache mit dem Alkohol: Bier und Kollegen sind in Norwegen unverhältnismäßig teuer. Selbst im Supermarkt war ein großes Dosenbier selten für weniger als 3 € zu finden, in der Gastronomie kann es durchaus passieren, dass man gerne mal mehr als 10 € für ein halben Liter Pils bezahlt. Da die Norweger dem Bier nicht abgeneigt scheinen, haben Sie hierfür ein pfiffiges Hilfsmittel gefunden: den Pilsguiden. Ein Vergleichsportal für Bierpreise in Norwegen, auf Basis von freiwilligen “Informanten”. Zum Zeitpunkt der Recherche gab es eine Spanne von 60 NOK-234 NOK (5,08 € – 19,84 €) für einen halben Liter innerhalb der registrierten Preise. Vergleichen lohnt sich hier also definitiv.


Bei der Fortbewegung

  • Bei den Langstreckenverbindungen mit dem Zug waren wir mit Interrail untwegs. Hier kann man sowohl einen Global-Pass, mit dem man z.B. auch die An- und Abreise abdecken kann, als auch einen Norwegen-Pass in Betracht ziehen. Durch die weiten Strecken und günstigen Sitzplatzreservierungen, die für Interrail notwendig sind, kann man hier die Fahrtkosten gerne mal halbieren.
  • Möchte man mit dem Postschiff unterwegs sein, lohnt sich der Vergleich zwischen den Anbietern. Neben dem Anbieter Hurtigruten gibt es noch Havila. Bei Havila waren die Preise niedriger, die Strecke ist aber identisch, und der Komfort sicherlich in beiden Varianten gut. Wer einen ausführlichen Vergleich will: viel Spaß 🙂
  • Ein Tipp der eigentlich generell gilt, uns aber besonders bei Transportmitteln gerne mal mehr als 10 % eingespart hat: Checkt die Preise in der Landeswährung. Oftmals gibt es pauschale Umrechnungen zwischen Euro und Kronen (es wird z.B. einfach mit dem Faktor 10 gerechnet) – was sich, abhängig vom Kurs, oft gut nutzen lässt.
  • Für alle, die mit Wohnmobil oder Camper nach Norwegen wollen (was ich absolut empfehlen würde): Hier kommen neben den Benzinpreisen, je nach Ziel, nicht unerhebliche Kosten für Fähren auf euch zu. Seit einigen Jahren gibt es aber einige Strecken gratis. Hier die Liste der Fähren und ein bisschen mehr Info.

Unterkünfte

  • Gerade in touristischen Gegenden und den größeren Städten können die Hotelpreise sehr hoch sein. Unser Joker war hierbei oft die Buchung eines Bungalows auf dem Campingplatz. Diese variieren stark in Größe und Ausstattung und reichen von “Dach überm Kopf” bis hin zu voll ausgestatteter Küche und eigenem Bad, stellenweise zum halben Preis eines einfachen Hotelzimmers
  • Plant ihr mehrtägige Wanderungen, kann eine Mitgliedschaft im norwegischen Wanderverein für euch Sinn machen. Dieser betreibt einige bewirtete und unbewirtete Hütten entlang der Wanderwege, in denen man günstig übernachten kann.
  • Die Hotelkette Strawberry Hotels bietet im Sommer eine Aktion, den summer pass, an. Die Hotels sind in allen größeren Städten vertreten, auch einige außerhalb von Norwegen. Durch Buchung in Kronen und Nutzung des Wechselkurses konnten wir somit in recht gehobenen Hotels für rund 80 € inkl. Frühstück übernachten. Es kommt noch besser: in manchen der Hotels war noch ein nettes Abendessen inklusive – preislich unschlagbar.
  • Last but not least – wer in Norwegen und Schweden unterwegs ist, kann sich das Jedermannsrecht zunutze machen und sein Zelt irgendwo in der freien Natur aufschlagen. Das ist nur mit wenigen Einschränkungen verbunden und in Kombination mit günstigen Campingplätzen und den DNT-Wanderhütten eine günstige und naturnahe Möglichkeit, regelmäßig campen zu gehen.

Sicherheit

Unserer subjektiven Meinung nach besteht in Norwegen das größte Sicherheitsrisiko darin, beim Wandern einen Felsen auf den Kopf zu bekommen. Sicherlich gibt es in Norwegen auch Kriminalität, aber besonders im ländlichen Bereich entstand zu keiner Zeit der Eindruck, dass man besonders auf sein Hab und Gut aufpassen muss – es sei denn, der Busfahrer fährt damit weg – oder dass man überfallen werden könnte. Unser Host auf unserem Auftenhalt auf der Farm hat uns sogar versichert, dass wir beim Einkaufen das Auto nicht abschließen müssen, er lässt sogar bei geöffnetem Auto den Schlüssel stecken. Mit der Abzocke ist es in Norwegen auch unkompliziert: Die Preise sind ganz offiziell so hoch, dass dich niemand zusätzlich über den Tisch ziehen muss 😉

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