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Die Küste

Nach dem Vollgas-Marokko-Start in Fes sind wir auf etwas Ruhe und Entspannung aus. Wir entscheiden uns für die Atlantikküste Marokkos. Der Reiseführer empfiehlt El Jadida, übersetzt „die Neue“. Beschrieben als eine unter europäischen Touristen unbekannte, aber schöne und angenehme Stadt, in der man länger bleiben kann. Na ja… wir sind nicht so überzeugt. Wir freuen uns über die übersichtliche portugiesische Medina (UNESCO-Weltkulturerbe), in der man sich nicht so leicht verlaufen kann. Leider ist die zweitwichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt, eine Zisterne, seit zwei Jahren geschlossen. Die Restaurants außerhalb der Medina sind übelst bewertet, und die Stadt ist dreckig. Dennoch genießen wir die Ruhe (außerhalb der Saison) und unser Drei-Gänge-Frühstück für 4,50 €. Wir machen einen längeren Spaziergang zum Carrefour – ein Zufluchtsort vor dem chaotischen, fremden Marokko.

Zwei Tage später bringt uns der CTM-Bus komfortabel und pünktlich nach Essaouira. Diese Stadt ist eine Wohltat für die Seele: wunderschön, sauber, tolle Restaurants, entspannt. Touristisch, aber zu der Zeit nicht überlaufen. Der Stadtstrand ist riesig, schön und sauber – ideal zum Surfen, insbesondere für Anfänger. Das nutzen wir gleich aus und können am Ende des zweistündigen Kurses, zu unserer Überraschung, einige Male auf dem Brett bleiben. Essaouira macht einfach Spaß. Die Läden in der Medina sind insbesondere für Handwerk aus Zedernholz bekannt. Man findet aber auch Teppiche, Tücher, Kleidung, Leder und Keramik. Die Händler sind sehr entspannt und freundlich. Sehr auffällig, insbesondere in Essaouira, sind die vielen Katzen. Sie tummeln sich in fast allen Geschäften, Gassen und Restaurants und sind ein beliebtes Foto – Motiv.

Wir haben noch nicht genug von der Küste und reisen weiter Richtung Süden nach Agadir – eine Großstadt am Atlantik. Unsere Unterkunft liegt etwas außerhalb in einem Küstenort: Anza. Bei Ankunft am Busbahnhof werden wir von Taxifahrern belagert. Einer macht uns einen „guten“ Preis – 150 MAD statt 200 MAD (MAD = Marokkanischer Dirham; Umrechnungsfaktor ca. 1 zu 11). Am Ende fahren wir mit einem anderen für 90 MAD (8,50 €), was immer noch viel zu viel ist. Auf dem Rückweg zahlen wir „nur“ 70 MAD – immer noch ein Touristenpreis, wie wir später lernen. Wir sind trotzdem stolz auf unseren ersten Verhandlungserfolg. Taxifahren in Marokko ist eigentlich super günstig, man darf sich nur nicht übers Ohr hauen lassen, was gar nicht so einfach ist. Die Taxifahrer schmeißen gerne mit irgendwelchen Zahlen um sich und erzählen einem was vom Pferd. Agadir wurde in den 60er Jahren fast vollständig von einem Erdbeben zerstört. Über das Erdbeben und den Wiederaufbau der Stadt informiert ein sehr interessantes Museum. Außerdem gibt es ein kleines Kunstmuseum, indem man durch Bilder, Teppiche und Schmuck einen Eindruck von der Berberkultur (Berber) bekommt. Die Stadt ist sehr modern. Die Medina wurde vom Erdbeben zerstört, später neu aufgebaut und kostet Eintritt. Da wir in Fes bereits eine beeindruckende Medina gesehen haben, sparen wir uns den Besuch hier.

Der Souk, der große Markt von Agadir, ist leider eine Enttäuschung. Er wirkt im Vergleich zu Fes und Essaouira künstlich und hat so viel Charme wie ein Plastikstuhl. Auf dem Weg zum Souk werden wir von einem netten alten Mann angesprochen. Er ist Lehrer, sagt er, und spricht sehr gut Deutsch. Der Markt sei heute geschlossen, aber es gebe ein Arganfest, zu dem wir unbedingt gehen sollten. Er führt uns dorthin, und wir landen in einem Arganöl-Shop. Wir sagen dem Verkäufer, dass wir nichts kaufen wollen, und gehen wieder. Es ist eigentlich nicht weiter schlimm – am Ende verlieren wir nur etwas Zeit –, aber es lässt leider auch das Vertrauen in die Menschen hier schwinden.

Zurück nach Anza fahren wir diesmal mit dem Bus. Den Bushaltestandort findet man nur über Google Maps, eine Bushaltestelle gibt es nur selten. Irgendwann kommt ein Bus. Einen Tag verbringen wir in Anza. Am Strand gibt es echte Dino-Fußabdrücke zu entdecken. Zurück im Hostel werden wir von einem der Betreiber spontan zum selbstgekochten Essen eingeladen. Es bleibt eine der leckersten Tajines, die wir in Marokko essen werden. Wir freuen uns sehr über die ehrlich gemeinte Gastfreundschaft und stellen fest: Marokko hat viele Gesichter.

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