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Die Wüste

Wir reisen spät in den Wüstenort M’Hamid – ein Ort, der hauptsächlich deshalb besteht, weil er als eines der Tore zur Sahara dient – und werden in einem 4×4-Van für nur einige Minuten in die Wüste zu unserem Camp gebracht. Dieses besteht aus verschiedenen Lehmhütten, die entweder als Zimmer, als Bad oder als Gemeinschaftsraum dienen. Gegen 23 Uhr kriegen wir noch das bisher späteste Abendessen unter freiem Himmel serviert – natürlich eine Tajine (Wikipedia) – und gehen mit unzähligen Insekten ins Bad und verbringen dann unsere erste Nacht in der Sahara.

Am nächsten Morgen dürfen wir nach einem brotlastigen Frühstück ein Babykamel sehen und ihm sogar ein Fläschchen geben. Und dann ziehen wir los: Unser Guide Hyssein, sein junger Kollege Habib, drei Kamele und wir beiden Kamele. Wir laufen über trockenen Sandboden, umgeben von erstaunlich viel Grün. Wir freuen uns über die Kamele, die stoisch Habib folgen und dabei immer wieder mal einen ganzen Busch rausreißen und fressen. Wir passieren Dünen, Kies und andere trockene Landschaften. Die Sonne brät auf uns ein, aber es gibt einen angenehmen Rückenwind. Nach ungefähr vier Stunden machen wir unter einem großen Baum Rast. Die Kamele knien sich widerstrebend hin und werden entladen. Ich bin überrascht, wie ungelenk diese Bewegung ist – man möchte ihnen sagen, sie sollen sich nicht so hinplumpsen lassen, das ist nicht gut für die Gelenke! Danach werden sie freigelassen, sie trotten ein paar Meter davon – und fressen. In der Zwischenzeit bekommen wir einen Tee und Snacks serviert und danach ein reichhaltiges Mittagessen aus Salat, Fisch und Omelette. Es hätte so idyllisch sein können hier – wären da nicht diese nervtötenden Fliegen. Gegen Nachmittag, als wir – nach einer fünfstündigen Pause wegen der Hitze – weiterziehen, fegt eine kleine Windhose über eine Düne, das Licht ändert sich langsam, der Sand erscheint rötlicher.


Nach weiteren 1,5 Stunden kommen wir in einer spektakulären Dünenlandschaft an, wo unser Lager aufgebaut wird. Wir „helfen“ ein bisschen beim Abladen und Aufbauen und machen uns dann auf, um die Dünen zu erkunden. Die Sonne steht nun ziemlich tief, das Licht ist fantastisch. Die Wellen im Sand werfen kleine Schatten. Der Sand ist vollkommen unberührt. Auch die Akustik ist faszinierend, wir stehen uns auf zwei Dünen gegenüber, können uns aber in Zimmerlautstärke unterhalten. Wir bestaunen den Sonnenuntergang und machen viel zu viele Bilder. Danach geht’s zurück in unser Nachtlager, wo wieder Tee und später – natürlich – eine Tajine auf uns wartet.


In der Wüste kühlt es nachts stark ab (Tagesspiegel). Das war mir soweit schon bewusst – hat allerdings nicht dagegen geholfen, dass wir uns in dieser Nacht den A**** abfrieren. Auch Pullover, Socken, der Hüttenschlafsack und das Handtuch als zusätzliche Decke haben nicht geholfen. Auch nicht geholfen haben unsere neuen Lieblingstiere. Kamele kauen nicht nur sehr lustig, sondern auch sehr laut. Und das machen sie auch gerne mitten in der Nacht, wobei man man Ihnen zugute halten muss, dass sie dabei die Umwelt schonen (Kurier). Dementsprechend schlecht ausgeschlafen starten wir den nächsten Tag, wieder mit einem brotlastigen Frühstück. Natürlich nicht, ohne vorher noch ein Foto vom Sonnenaufgang zu machen. Nach dem Frühstück werden die Kamele wieder bepackt und wir machen uns auf den Weg. Heute dürfen wir mal eine kurze Strecke auf den Kamelen reiten. Nicht jedes der Tiere hat Lust dazu, und da wir uns extra für einen tierfreundlichen Veranstalter entschieden haben, muss einer von uns beiden weiterhin zu Fuß gehen. Ein Kamel zu reiten ist eine erstaunlich wacklige Angelegenheit – besonders, wenn es eine Düne bergab geht, gilt es, sich festzuhalten, da man sonst aus über zwei Metern nach unten fallen würde. Fände das Kamel wahrscheinlich witzig.

Wir passieren eine Wasserlache, ich steige ab und die Kamele dürfen ihre Höcker auffüllen. Klara führt „ihr“ Kamel selbst zum Wasser, und sobald der Durst (vom Kamel) gestillt ist, reiten sie weiter. Auch heute machen wir eine ausgedehnte Mittagspause mit köstlichem Mittagessen. Es ist windstill und die Temperaturen steigen auf knapp 40°C, zwischenzeitlich ist es schwer zu ertragen. Gegen Abend ziehen wir weiter und stoppen an einer noch spektakuläreren Dünenlandschaft als am Tag zuvor. Um nachts nicht wieder frieren zu müssen, bauen wir uns heute ein kleines Zelt als Nachtlager auf. Wir toben uns auf den Dünen aus und beobachten wieder einen unglaublichen Sonnenuntergang.


Nach einem guten-Abend-Tee gibt’s wieder ziemlich spät eine leckere Tajine. Hyssein knetet einen Teig und vergräbt ihn zusammen mit der Glut vom Lagerfeuer im Sand – voilà, nach einigen Minuten gräbt er ein perfekt gebackenes Nomadenbrot aus. Die beiden trommeln auf einem leeren Kanister und singen dazu traditionelle Lieder. Wir versuchen im Rhythmus mitzuklatschen. Die Lieder passen gut in diese Szenerie und der sonst etwas schüchterne Habib ist beim Singen plötzlich gar nicht mehr schüchtern.

Als wir am nächsten Morgen starten, weht ein immer stärker werdender Wind. Zum Glück weiß Klara mittlerweile gut, wie man einen Nomaden-Turban bindet. Damit, und mit der Sonnenbrille, hat man einen ganz guten Schutz vor Sand und Sonne. Nach knapp zwei Stunden kommen wir wieder in unserem Camp an und fahren nach der besten Dusche unseres Lebens und einem Mittagessen ca. 2h durch die Wüste, über holprige Pisten und durch verschiedenste Landschaften, schwarze und graue Wüste, vorbei an Kamelen und Ziegen. Wir kommen in der Erg Chegaga Wüste – einem anderen Teil der Sahara – in einem anderen Camp an. Hier probieren wir Sandboarden aus, also mit dem Snowboard die Dünen herunterfahren. Leider erweist sich das als ziemlich langweilig, da man nur geradeaus fahren kann und auch keine Geschwindigkeit aufnimmt. Die Dünen hier sind nochmal beeindruckender und größer als die bisher gesehenen. Der Sand ist rötlicher. Und spätestens als die Sonne tief steht und langsam untergeht, taucht sie die Wüste in ein atemberaubendes, rotes Licht. Wir genießen diesen Moment und als es dunkel wird, machen wir uns auf den Rückweg. Ein Glück sind wir nicht allzu weit vom Camp weg, ich kann mir hier jetzt gut vorstellen, dass man sich schnell verlaufen kann.
Im Camp gibt’s noch ein gutes Abendessen und wir müssen nochmal unser Zelt wechseln, da sich in unserem bisherigen Zelt ein Skorpion eingerichtet hat. Es gibt ein Lagerfeuer und Musik, aber hier ist nach meinem Geschmack alles ein bisschen arg auf Touristenschauspiel ausgelegt – wir sehen uns das Spektakel von der Seite an und gehen bald ins Bett, da wir ziemlich platt sind.


Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ist unser Wüstenabenteuer vorbei und wir werden zurück nach M’Hamid gebracht, von wo aus unsere Reise weitergeht. Hat sich der Aufwand gelohnt? Ganz sicher. Es mag abgedroschen und kitschig klingen, aber die Ruhe, die Weite, das Licht und die Akustik in der Wüste sind einmalig und werden hoffentlich unvergesslich bleiben.

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