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Moscheen, Medresen und Mausoleen oder all you need is plove

Taschkent
Etwa gegen 4 Uhr morgens landen wir in Taschkent. Es ist nicht viel los. Unser Taxi rufen wir mit YandexGo, sowas wie Uber, und erwarten schon uns wie üblich durch die Menge der Taxifahrer durchdrücken zu müssen und völlig überhöhte Angebote zu hören. Stattdessen begrüßen sie uns ganz nett und versichern, sie hätten uns auch einen guten Preis gemacht. Vielleicht nächstes Mal.
Als wir bei aufgehender Sonne durch die Stadt fahren, schauen wir überrascht aus dem Fenster. Die Stadt wirkt sehr modern; viele neue und hübsch verzierte Gebäude reihen sich aneinander. Sie wirkt sehr grün und herausgeputzt. Ein großer Kontrast zu den Städten Georgiens. Als wir in der Nähe unserer Unterkunft noch eben ein Wasser kaufen, freut sich der Verkäufer ganz besonders, uns zu sehen. Er lernt Deutsch in der Schule und heißt uns in seinem Land willkommen. Ein guter Start, denken wir, und fallen totmüde ins Bett. Frühstück gibt es am gleichen Tag gegen 12 Uhr. Nach der Stärkung beschließen wir, den Tag zu nutzen und gleich eine Stadttour zu machen. Am Treffpunkt werden wir schon von unserem gut gelaunten Guide, Bakhtiyor (übersetzt: der Glückliche), erwartet. Gemeinsam mit vier anderen Reisenden schauen wir uns jeweils eine der vielen Moscheen und Koranschulen in Taschkent an und bekommen einen ersten Eindruck von der hier typischen Architektur. Danach geht es per Taxi zum berühmten Chorsu-Basar.
Taschkent hat offiziell 4 Mio. Einwohner und inoffiziell etwa 6 Mio. – und es gibt nicht das eine Stadtzentrum. Eine richtige Walking Tour ist daher echt schwierig. Den Chorsu-Basar gibt es schon seit der Zeit, als die Kamelkarawanen entlang der Seidenstraße gezogen sind. Durch seine Lage an der Kreuzung von vier wichtigen Handelsstraßen war er sehr bedeutend. Das persische Wort „Chorsu“ bedeutet auch so viel wie „Kreuzung“ oder „vier Straßen“.
Wir bekommen eine kleine Foodtour über den Basar und probieren die usbekische Lasagne sowie das Brot, das in Usbekistan heilig ist. Viele Filialen der hier verbreiteten Supermarktkette Korzhinka haben sogar eine eigene Bäckerei, in der das Brot frisch vor Ort gebacken wird – inklusive Teigzubereitung. Auf dem Basar bekommt man alle möglichen regionalen Brotvarianten. Das Samarkand-Brot ist das, was am längsten haltbar ist und dessen Zubereitung niemand anderes im Land beherrscht, so sagt man.

Vom Basar geht es mit der Metro weiter Richtung Hotel Usbekistan. Beim Umsteigen können wir die schöne Alisher-Navoiy-Station bewundern. Jede Metrostation in der Stadt hat ihr eigenes Dekor, weshalb die Metro für sich eine Sehenswürdigkeit ist. Das Hotel Usbekistan ist eines der ältesten Hotels der Stadt und hat eine auffällige Fassade im Sowjetstil. Die Lobby ist sehr modern, aber die Zimmer sollen seit Jahren nicht erneuert worden sein. Wenn man hier übernachten möchte, dann wohl nur „just for fun“ für eine Nacht. Wir fahren mit dem Aufzug hoch zum Café/Restaurant und genießen die Aussicht auf die Stadt – und schon ist Abendessenzeit.

Dafür fahren wir zum Plovcenter. Hier können wir uns in der Küche umsehen, wo der Plov in riesigen Kesseln gekocht wird, und bekommen die verschiedenen Varianten erklärt. Man kann zwischen einer ganzen oder 0,7 Portion wählen und Toppings wie Wachteleier, gefüllte Weinblätter oder Wurst, zum Plov bestellen. Wir entscheiden uns für einen Taschkent-Plov, der mit Sonnenblumenöl zubereitet wird, und eine andere Variante mit Olivenöl. Am Ende bezahlen wir inklusive Wasser etwa 7 €, was ab da unsere Referenz dafür wird, was ein Abendessen in Usbekistan kosten sollte. Ich verrate schon mal so viel: Später zahlen wir fast immer mehr als das und ärgern uns ein wenig, obwohl es immer noch irre günstig ist im Vergleich zu Deutschland.

Wettertechnisch haben wir durch unseren Flug den Frühling übersprungen. Es wurde gerade angenehm warm in Georgien und hier waren es plötzlich 30 °C. Zwischen 12 Uhr mittags und 17 Uhr abends versteckt man sich besser im Haus oder unter der Erde. Deshalb machen wir eine längere Tour im Untergrund und erkunden die schönsten Metrostationen Taschkents.

Samarkand
Trotz umfassender Recherche sind wir immer noch nicht sicher, ob man in Usbekistan noch etwas anderes machen kann als die klassischen Touristenziele. Es gibt Ausgrabungsstätten – davon haben wir schon genug gesehen. Es gibt Bergregionen, aber mit der Aussicht, dass unser nächstes Ziel Kirgistan sein wird, lohnt es sich nicht wirklich, hier Wanderungen einzuplanen und dann noch bei diesen Temperaturen. So ist unser nächster Stop Samarkand – ein Muss bei einer Usbekistan-Reise! Wenn man die schöne Architektur Zentralasiens bewundern möchte, stimmt das auf jeden Fall: In Samarkand findet man mit Shahi-Zinda und dem Registan-Platz die schönsten Mausoleen, Moscheen und Koranschulen aus der Zeit der Timuridenherrschaft. Amir Timur, der Begründer dieser Herrscherdynastie, ist ebenfalls in Samarkand begraben. Das Mausoleum von Amir Timur und den Registan besuchen wir früh am Morgen, wenn noch kaum Besucher da sind. Zum Shahi-Zinda gehen wir nach dem Abendessen in der Stadt. Ca. 10 Minuten nach Eintritt fängt es an zu schütten. Zum Glück ist es nur eine Gewitterwolke, die bald vorbeizieht. Vor allem in Samarkand merken wir, dass unsere Wetter-App hier total unzuverlässig ist, und nehmen immer die Regenschirme mit, wenn wir aus dem Haus gehen. Die helfen im Zweifel auch gegen die Sonne.

In der Gegend um unsere Unterkunft ist es nicht so leicht, ein Restaurant zu finden. Der empfohlene Koreaner um die Ecke ist etwas für sehr Geduldige. Er hat einen schönen Innenhof und das Essen ist gut, nur hat man das Gefühl, es würde von einem Haufen Teenager betrieben – sehr chaotisch. Wir sind dorthin in der Hoffnung gegangen, dass es Tofu gibt. Auf der Karte standen zwar auch zwei Gerichte, aber das Tofu war alle – so wie in jedem Restaurant danach. Einmal gab es tatsächlich Tofu bei einem Chinesen in Taschkent, doch das war leider sauer, und wir haben das Gericht widerwillig zurückgehen lassen. Man isst hier einfach lieber Fleisch. Alle usbekischen Gerichte enthalten ausnahmslos Fleisch: Plov, Schaschlik, Manti (usbekische Maultaschen) und selbst in Suppen sowie in einigen Salaten ist Fleisch drin. Z.B. findet man Caesar Salad fast immer auf der Speisekarte. Sprachlich und ethnisch stammen die Usbeken von den Turkvölkern Westsibiriens ab. Die Sprache ist u. a. mit dem Türkischen verwandt. „Waaas, Turkvölker in Sibirien!“ – habe ich noch nie gehört. Die Turkvölker haben sich wohl aus der Altai Region über Zentralasien und die Schwarzmeerregion bis in die heutige Türkei ausgebreitet. Dann fällt mir ein, dass die beste Freundin meiner Mutter eine Tatarin war, ebenfalls ein Turkvolk, das überwiegend in Russland lebt. Deshalb ist Reisen so cool: Man lernt Geschichte, aber schläft dabei nicht ein.

Shahi-Zinda Komplex

Buchara
Wir geben die Idee auf, in Usbekistan etwas anderes zu unternehmen als Städtetrips, und reisen weiter Richtung Westen nach Buchara. Die Zugtickets für den Highspeedzug sind für die Langstrecken normalerweise schon im Voraus ausverkauft, aber nach Buchara bekommen wir noch Sitzplätze. Dieser Zug ist auf der Strecke etwa 40 Minuten schneller als der zweitschnellste Zug des Landes. Wie schon bei der ersten Zugfahrt merken wir: Im Zug verhungert man nicht. Etwa alle 15 Minuten rollt ein Wagen durch den Zug mit allerlei Essen und Getränken. Es gibt sogar frisch gebackene Samosas (im Tandir gebackene Teigtaschen) und kaltes Bier. Buchara hat eine große, sehr schöne und gut restaurierte Altstadt. Gleich am ersten Tag gibt es Abendessen mit dem Blick auf den Poi Kalon – bestehend aus zwei Koranschulen und einer Moschee mit imposantem Minarett. Die meisten Unterkünfte in Buchara sind nahe der Altstadt, sodass wir alles gut zu Fuß erreichen können, auch wenn wir die Unterkunft einmal wechseln. Noch in Georgien las ich über Usbekistan, dass es eines der Primärziele des Landes ist, den Tourismus auszubauen – und das merken wir auch in allen drei Städten. Die Usbeken wollen sich der Welt von ihrer besten Seite zeigen und legen sich richtig ins Zeug. Mein Eindruck ist, sie sind die Musterschüler oder die Schwaben der Stans. Stets fleißig und immer ein Geschäft im Sinn. Während einer Stadttour in Buchara höre ich das erste Mal von den Zoroastriern, den Anhängern der Feuerreligion. Einer alten Glaubensrichtung, die in Zentralasien verbreitet war. In Buchara existiert noch ein Tempel der Zoroastrier, der in eine Moschee umgewandelt wurde und heute Souvenirshops beherbergt. Auch der Buddhismus hat es nach Zentralasien geschafft: Davon zeugen archäologische Funde, die man in Ausgrabungsstätten und Museen anschauen kann. 

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