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Griechenland – Lebenszeichen aus dem Winterschlaf

Thessaloniki
Das Reisen im Winterwonderland hat uns etwas geschlaucht. Die Tage waren kurz, das Energielevel auf Gemütlichkeit eingestellt und die Stimmung eher gedeckt. Wir hatten sehr auf die Sonne Griechenlands gesetzt, um dem Winterblues zu entkommen. Das kalte Bulgarien verlassen wir bei minus 11 Grad, um nach ca. sechs Stunden Busfahrt bei 12 Grad in Thessaloniki anzukommen. Ein enormer Temperaturgewinn, aber noch nicht angenehm warm – und dann funktioniert am ersten Abend die Heizung in unserem Apartment nicht.
Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt Griechenlands und liegt weit im Norden. Eine sehr geschäftige Stadt mit so, so, so und noch einmal so viel Verkehr. Außerdem platzt die Stadt aus allen Nähten. Jedes freie Fleckchen ist bebaut. An einem Tag müssen wir dem Ganzen einmal entfliehen und machen eine Wanderung im nahegelegenen Wald. Auf dem Weg müssen wir – wen wundert es – eine Autobahn umgehen, durch eine Unterführung, wo gerade eine neue Straße entsteht. Hier müssen wir zehn Minuten warten, denn 500 Meter vor uns muss gesprengt werden. Auf den ersten Blick will man schnellstmöglich weg aus dieser Stadt, aber es gibt auch einiges zu entdecken. Thessaloniki beherbergt sehr viele antike Monumente und ein modernes archäologisches Museum, in dem man weitere Ausgrabungsschätze besichtigen kann.

Athen
Unsere nächste Station ist Athen, das etwa fünf Stunden Zugfahrt entfernt liegt. Es gibt nicht so viele Zugverbindungen in Griechenland. Auch Busverbindungen außerhalb der Saison sind rar. Das erklärt vielleicht die vielen Autos. In Athen passen wir auf Zippy auf, eine junge, aufgeweckte und kleine Hündin, die auch für Hundeanfänger geeignet ist. Ihr Herrchen lebte eigentlich in Israel und ist wegen der Unruhen im Land nach Athen umgezogen. Er zeigt uns am ersten Tag die überraschend grüne Nachbarschaft und die Lieblingsplätze von Zippy. Überall zwischen den Häuserblöcken sind kleine Grünanlagen, und ein großer Park liegt unweit des Apartments. In Athen ist es noch einmal einige Grad wärmer und die meiste Zeit sonnig. Das ist gut, denn die Heizkörper haben seit der Wirtschaftskrise in Griechenland keine Funktion mehr. Heizen ist zu teuer geworden. Man heizt nur noch elektrisch mit Klimaanlage oder Elektroheizung. Das zieht sich auf unserer Tour durch Griechenland durch. Eine weitere neue Gewohnheit im Alltag ist, dass kein Klopapier heruntergespült werden darf. Die Leitungen sind zu schmal und verstopfen sehr schnell. Athen gefällt uns sehr gut. Es gibt viel zu sehen: antike Stätten und viele Museen. Eigentlich ist die ganze Altstadt eine Art Museum. Der Verkehr ist entspannter, und es gibt zahlreiche kleine und große Parkanlagen.

Roadtrip – Peloppones und Zentralgriechenland
Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, aber mit den Öffis durch Griechenland zu reisen wird einfach nicht klappen. Es scheint viel zeitaufwendiger und teurer zu sein, als einen Fiat Panda für 200 € für 17 Tage zu mieten. Außerdem gibt es oftmals schlicht und einfach keine Busverbindungen. Also starten wir von Athen unseren kleinen Roadtrip durch Griechenland.
Unser erster Stopp ist die ehemalige Hauptstadt Griechenlands, Nafplio – schon mal gehört? Wir nicht. Athen haben die Griechen nämlich einem deutschen König zu verdanken, der Griechenland nach dem Befreiungskrieg aus der osmanischen Herrschaft, ab 1832 dreißig Jahre lang regierte. Er fand Athen, damals noch ein Dorf, besser als Hauptstadt geeignet und ließ sich dort ein Schloss errichten. Viele Deutsche kamen damals nach Athen. Die von einem Deutschen gegründete Brauerei FIX, die in Athen heute noch sehr präsent ist, stammt aus dieser Zeit.
Nafplio ist eine kleine Stadt am Meer und hat eine hübsche Altstadt mit venezianischen und osmanischen Bauten. Wir parken unser Mietauto in einer ruhigen Straße in der Nähe unseres BnBs, und schon am nächsten Tag haben wir eine Delle. Die Fahrertür lässt sich nicht mehr öffnen, ohne dass sich das Blech immer weiter verbiegt. Die Griechen sind leider keine guten Autofahrer. Sie fahren, fast ausnahmslos alle, immer viel zu schnell, fahren auf, und Dellen im Auto gehören einfach dazu. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen niemanden zu interessieren, und Blitzer sehen wir sehr selten. Wir erinnern uns an die Worte unseres Tourguides in Athen: Die Griechen seien sehr angenehme und freundliche Menschen – solange sie nicht am Steuer sitzen.


Von Nafplio aus unternehmen wir einen Ausflug nach Mykene, der Heimatstadt des Agamemnon und einer der bedeutendsten Städte des alten Griechenlands. Die Stadt existierte bereits vor 3.500 Jahren und wurde zur Quelle der mykenischen Hochkultur. Im archäologischen Museum in Athen konnten wir einige Exponate bestaunen, die hier vor allem in den Gräbern gefunden wurden. Leider ist vor Ort außer Ruinen und dem gut erhaltenen Stadttor nicht mehr viel übrig. Ganz in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt befindet sich eines der am besten erhaltenen Theater, Epidauros. Es wird noch heute für Veranstaltungen genutzt, die Akustik ist beeindruckend. Simon träumt schon von einem Bandauftritt in so einer Kulisse. Wir besuchen ein Bergkloster, von denen es einige in Griechenland gibt. Während der jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft flüchteten die Geistlichen in die Berge, wo sie ihren Glauben weiter praktizieren durften. Dabei haben sie beeindruckende Bauten in den Felsen errichtet. Eine Nacht verbringen wir vor Monemvasia, einer byzantinischen Siedlung, die auf einem Fels im Meer gebaut wurde und durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Die Siedlung wurde umfassend restauriert und besteht nur aus Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants und Cafés. Es gibt zurzeit nicht viele Besucher, und wir haben diesen schönen Ort fast für uns allein. Am Abend erwartet uns ein kulinarisches Highlight bei Matheo, einem sehr unterhaltsamen Restaurantbesitzer, und seinem Koch, den er nur „the other fat guy“ nennt. Es gibt Kalamari und Oktopus, sehr zart und mit leckerer Sauce. Als wir zur reservierten Zeit ankommen, schauen die beiden Fußball. Das Restaurant ist komplett leer. Umso überraschter sind wir über das tolle Essen.

Insgesamt ist das Essen und Essen gehen für uns ein Highlight in Griechenland. Es ist zwar fleischlastig, aber es gibt auch viel frisches Gemüse zum Fleisch, und der Feta schmeckt wirklich viel, viel besser als in Deutschland. In Griechenland lohnt es sich auch, auf den Lebensmittelmarkt zu gehen, denn hier bekommt man frisches Gemüse, Oliven und Käse günstiger und besser als im Supermarkt.
Der nächste Stopp ist Kalamata, wo wir die Kalamata Oliven probieren und das Einkaufen auf dem Markt für uns entdecken. Nicht weit von Kalamata liegt Mystras, eine byzantinische Stadt, die bis in die 60er Jahre noch bewohnt war. Viele Gebäude sind noch gut erhalten. Auf dem Weg zu einem Wasserfall bleibt unser Panda im Schlamm stecken. Zum Glück kommt ein Geländewagen mit Hobbyjägern vorbei. Ohne zu zögern ziehen sie uns aus dem Schlamm. Wir sind sehr dankbar für die Hilfe, alleine wären wir da nicht rausgekommen. Danach geht es in den Norden, nach Ioannina, über eine spektakuläre Brücke, die die Peloponnes-Halbinsel mit Nordgriechenland verbindet. Von Ioannina aus erkunden wir mit dem Auto die Zagoria-Gegend und schauen in den Abgrund der Vikos-Schlucht, der tiefsten Schlucht der Welt mit Guinness-Buch-Eintrag.

Weiter geht die Reise in das mystische Meteora. Die Landschaft erinnert an den Film Avatar. Bizarre Felsformationen ragen hier in die Höhe, und man fragt sich, wie sie entstanden sind. Noch unglaublicher ist, dass die Felsen Klosterbauten auf sich tragen. Und man fragt sich wieder: Wie ist jemand da hochgekommen, und wie zum Teufel hat er das Haus da hochgeschleppt?

Alles begann mit asketischen Mönchen, die sich auf die Felsen zurückzogen, um ganz im Glauben und nahe bei Gott zu sein. Sie hausten zunächst in Höhlen oder auf Holzplattformen, die sie in den Fels genagelt hatten. Die Klöster entstanden erst einige hundert Jahre später. Beim Bau mussten die Mönche schwindelfrei sein, und den einen oder anderen hat es bestimmt das Leben gekostet. Es ist auf jeden Fall eine erstaunliche Leistung und ein besonderer Ort, der einen Besuch definitiv wert ist.


Inseln
Der Roadtrip ist zu Ende, und wir kehren wieder nach Athen zurück, um den sehr mitgenommenen Panda abzugeben. Simon fürchtet schon immense Reparaturkosten. Doch wie zu Beginn angekündigt, ist der Autovermieter tatsächlich überhaupt nicht kleinlich, und für den Schaden an der Tür werden 650 € veranschlagt, die am Ende die Versicherung übernehmen wird. Also alles halb so schlimm. Wir fahren mit der Metro zum Hafen von Piräus, wo wir auf die Fähre nach Kreta steigen. Über Nacht bringt sie uns nach Chania, eine größere Stadt auf der Insel, wo wir von Barry abgeholt werden. Barry ist pensionierter Lehrer aus England, der seinen Lebensabend in einer kleinen Ferienvilla auf Kreta verbringt. Gesellschaft leisten ihm eine Hündin und eine Katze, die er beide von der Straße gerettet hat. Auf die beiden passen wir auf, solange Barry Urlaub mit seiner Freundin auf Zypern macht. Er überlässt uns netterweise sein Auto, sodass wir die Umgebung etwas erkunden können. Wir machen eine Tageswanderung durch eine Schlucht, besuchen ein Höhlenkloster und fahren zu einem wunderschönen Strand mit pinkem Sand. Es ist schon sehr warm auf Kreta, aber Badewetter ist leider noch nicht. Wir genießen die entspannte Zeit hier, führen Krisengespräche und machen Pläne für die Weiterreise. Krisengespräche, weil das Langzeitreisen für Spannungen in der Beziehung sorgt, denn es verlangt einem konstante Kompromissbereitschaft und Teamwork ab. Man verbringt sehr viel mehr Zeit miteinander als man es im Alltag tun würde. Außerdem haben wir immer noch nicht den perfekten Reisemodus gefunden, wenn es sowas gibt. Im Urlaubsmodus zu reisen wird auf Dauer anstrengend und langsam reisen fühlt sich bis Weilen wie Zeitverschwendung an. Vielleicht ist es auch eine Sache des Erwartungsmanagements. Reden hilft in allen Fällen.

Unser nächstes Zielland ist die Türkei. Deshalb geht es nach Kreta noch mit der Fähre nach Rhodos. Hier bleiben wir ein paar Tage und erkunden die Altstadt – eine sehr gut erhaltene Festung. Man merkt deutlich, dass die Saison noch nicht begonnen hat. In den Straßen herrscht meistens gähnende Leere. Nach vier Tagen bringt die Fähre uns und ca. 100 Senioren in nur 1,5 Stunden nach Marmaris in der Türkei. Der Feta fehlt mir jetzt schon!

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