|

Das Labyrinth

Sogar das größte Labyrinth der Welt soll es sein, das behaupten zumindest die Bewohner von Fes über ihre Medina (Wikipedia). Und das ist wahrscheinlich nicht so weit hergeholt. 
Die Stadt hat uns überrumpelt, und das auf mehrere Arten. Wir hatten einen schwierigen Start hier, als wir mit einem (wie jetzt im Nachhinein klar ist) zu teuren Taxi in die Medina gefahren sind. Da leider sowohl die Fähre als auch der Bus von der Fähre deutlich länger gebraucht haben als angegeben, sind wir erst nachts angekommen. Natürlich sind wir sofort in die Falle getappt – nachts, keine Orientierung im Ort, rein in die Medina! Sämtliche Navis waren überfordert, und somit konnten wir nicht anders, als uns helfen zu lassen – was man ja nicht tun soll – und wurden tief in die Gassen gelotet. Zu unserer Erleichterung kamen wir aber auch wieder aus den Gassen heraus und direkt zu unserem Hotel. Das war schon mal ein Lehrstück, wie man es nicht machen sollte. Das Hotel ist ein Dar, also die kleine Version eines Riads (Wikipedia), ohne Garten oder so im Innenhof – es ist cool, echt marokkanisch und hat (wie ich finde) viel mehr Stil als ein normales Hotel. Von unserem Dar aus erkunden wir die nächsten vier Tage Fes, machen eine geführte Tour durch die Medina, besorgen uns eine marokkanische SIM-Karte, gehen nochmal mehrmals alleine los und machen uns langsam mit Marokko vertraut. Wir finden dabei schnell Gefallen an der marokkanischen Gastronomie, gehen regelmäßig in einen “salon de thé” – wo wir meistens die einzigen Touristen sind und vor allem Klara die einzige Frau ist – um einen marokkanischen thé à la menthe oder Kaffee zu genießen, und probieren uns durch die lokale Küche – klassische Gerichte, Streetfood (Was ist das? Ich will es probieren!) oder auch ein Kamelburger, darf’s mal zwischendrin sein. 


Die Medina besteht aus alten, sehr verwinkelten Gassen, in denen die Händler allerlei handgefertigte Waren anbieten. Viele der Viertel sind hierbei nach Thema geordnet, so gibt es zum Beispiel ein Färber- und ein Gerbereiviertel; Holz und Metall haben auch ihre eigenen Bereiche. Ein bisschen wie bei der IG Metall und Verdi, nur sicherlich ohne Gewerkschaft, sehr wahrscheinlich ohne Arbeitsvertrag und möglicherweise auch ohne Steuerbeleg. Am Ende fallen wir leider dann doch noch auf einen “Faux Guide” herein, der einem seine Hilfe anbietet und danach lautstark dafür Geld verlangt. Wir kommen hier mit ein paar Dirham und etwas Diskussion davon, lernen aber eine wichtige Lektion: Es ist in Marokko schwer, für uns die Leute richtig einzuschätzen. Das führt dazu, dass man ehrlich angebotene Hilfe ablehnt oder dass man den falschen Leuten vertraut. Dieses Spiel wird uns leider immer wieder begegnen – es ist wie so oft: Einige wenige ruinieren das Bild, während sich viele andere gut verhalten. 

Insgesamt hat mir Fes gut gefallen, es ist irgendwie shabby chic und mystisch, nicht zu touristisch und trotz des Labyrinths fühlt man sich doch sicher.

Similar Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *